Samstag, 29. April 2017

Frank Ziegler Miniaturen - Die bessere Ultima Ratio

Kommt Leute, seid ehrlich. Der klassische 1/72 Sammler ist und bleibt ein Sparbrötchen. Er ist geizig; er selbst würde es preisbewusst nennen.
Ich meine jetzt nicht die Sammler, die den 1/72 Maßstab zu dem EINZIGEN Maßstab erklärt haben. Diese Sammlergruppe hat sich ja spezialisiert, und da gelten andere Regeln.
Hier ist man im Gegenteil dazu bereit sehr viel für dieses Hobby auszugeben. Denn die Schaffung einzigartiger Dioramen ist halt auch nur möglich, wenn man bereit ist etwas zu investieren. Sponsoren gibt es da nur sehr selten.
Die 1/72 Sammler, von denen ich eher spreche, sind die, die aus der Plastikecke kommen, und sich häufig ihre Interessengebiete über Neuerscheinungen eben aus dieser Plastikecke erschließen.
So wie ich selbst.
Man war es halt in den guten alten Zeiten der 80er 90er Jahre einfach gewohnt, 50 Figuren für weniger als 10 DM zu bekommen. So etwas prägt.
Na und bei den Preisen konnte man auch immer wieder neuen Epochen und Themen eine Chance geben. War ja billig.
Einige Sammler waren schon damals bereit in Spezialsets zu investieren. Nicht zuletzt deshalb war die DuZi, die Duisburger Zinnfigurenbörse, so erfolgreich, weil eben hier diverse Spezialanbieter Ihre Ergänzungen in Zinn anboten, und man sich als Sammler aufs Belieben eindecken konnte.
In den meisten Fällen blieb es allerdings bei diesen Ergänzungen. Die wenigsten – auch wenn ich einige Personen persönlich kenne, die zu dieser Gruppe nicht gehören – haben sich ganze Armeen in Zinn geleistet. Die meisten wollten einfach nur bestehende Plastiksets ergänzen. Diese etwas aufhübschen. Die einen mehr, die anderen weniger.
Aus diesem Grund ist dann auch keiner der Spezialanbieter reich geworden. Richtig geniale Modelleure und Produzenten betrieben und betreiben das Hobby nebenberuflich, weil ein kompletter Broterwerb damit gar nicht möglich wäre.
Massenverkauf??? Pustekuchen.
Das beste was einem Kleinanbieter da passieren konnte, wenn flankierende Plastiksets neu erschienen, die dann Bedarf weckten.
Nur mal ein Beispiel: Das Revell Set der britischen Waterloo Infanterie  hatte nur einen Fahnenträger. Ein Unding würde der Spezialist ausrufen.
Vive L’Empereur, schmettert der Franzosenfreund, weil er einfach davon ausgeht, dass eine der Fahnen bereits erobert wurde, wie sich das ja auch gehört.
Vive L’Empereur.
Back to topic.
Na jedenfalls fehlte da ein Fahnenträger zogen doch die Briten mit zwei Fahnen in die Schlacht. Wer kann, der kann, bzw. wer häufig eine verliert, der hat dann ja noch eine....
Vive L’Empereur.
Wollte man jetzt aus dem Packungsinhalt vielleicht sogar zwei Einheiten basteln, fehlten direkt mal drei Figuren. Zum Glück bot bereits damals Jörg Schmäling Fahnenträger aus Zinn an, und man konnte seine Revell Plastikeinheiten sinnvoll ergänzen.
An diesem Beispiel sei nur einmal erklärt, wie Kleinhersteller den Markt komplettieren können, wenn ein bestehendes Set offensichtliche Lücken aufweist.
Geht es aber auch andersrum? Was ist, wenn zuerst die Zinnserie da war, aber kein Plastik?
Ich möchte da ein Beispiel geben, und ich hoffe, dass bei den vorgestellten Figuren eben dieser umgekehrte Effekt jetzt eintreten wird.
Der von mir hochgeschätzte Modelleur Frank Ziegler hat eine wunderbare Reihe spätmittelalterlicher, frühneuzeitlicher Miniaturen auf den Markt gebracht. Diese Figuren sind perfekt und historisch genauestens recherchiert. Frank, ein gelernter Archäologe und Historiker modelliert halt nicht so vor sich her und macht da irgendwas, nein, er beschäftigt sich erst einmal mit einer Epoche, und zwar sehr detailliert.
Die Figuren sind bestellbar über Hagen Miniatures (Bilder aus dem Shop von Hagen-Miniatures):




Ich kann mich noch genau an einen Vortrag auf einem Sympi erinnern, wo Frank sich mit den spätmittelalterlichen Harnischen beschäftigte.
Nach einer knappen Stunde dachte ich, bitte Frank, schreib ein Buch. Das ist alles viel zu detailliert für einen simplen Vortrag. Das kann man gar nicht alles fassen.
Neben irgendwelchen ausgewiesenen Spezialisten, die nach meiner Meinung irgendwo in Museen arbeiten, die große Sammlungen von Rüstungen und Rüstzeug verwalten, ist Frank wohl einer der Wenigen, ich will jetzt nicht sagen der Einzige, aber gefühlt ist es halt so, dem man einen Haufen Blech hinlegt, den kein normaler Mensch unterscheiden kann, na und was passiert?
Er streicht sich über seinen Bart setzt diesen Blick auf, und blubbert schon los.
„Ja; das ist eindeutig savoyardisch („Aha! Hätte ich auch gedacht.“, denkst Du). Sieht man ja. („Klar doch!!!!“, denkst Du) Das erkennt man dort an den Kannelüren („An den was???“, denkst Du), und das Blech ist auch eindeutig so getrieben. Na und irgendwo ist doch auch sicher,  ah, da ist er ja, der Stempel („Was für ein Stempel??“, denkst Du). Guck mal Koppi.“
So müsst Ihr Euch das vorstellen.
Frank wäre definitiv im Mittelalter Schmied geworden und er hätte auch irgend so ein Excaliburschwert geschmiedet, weil er eine ganz spezielle Legierung entdeckt hätte.
Ja, das traue ich ihm zu.
Er hat den Schwarzen Gürtel in Harnischkunde; und nicht nur da.


Besagter Frank Ziegler hatte sich irgendwann in die Harnische dieser Zeit so richtig reingekniet, sie lieben gelernt und wurde Spezialist. Diese Erkenntnisse in einer eigenen Figurenreihe zu materialisieren, war der logische Schritt, wenn man denn modellieren kann.
Die Entwicklung der ersten Figurenreihen konnte ich sogar live auf dem Sympi mitverfolgen, weil Frank natürlich auch hier immer eifrig am Modellieren war.
Die von Frank vertriebene Figurenreihe ist mittlerweile schon recht imposant. Neben gerüsteten Truppen gibt es natürlich auch normale Spießer und Fußkämpfer. Das gesamte Potpourri einer Armee des Spätmittelalters bzw. der beginnenden Neuzeit. Die Übergänge sind hier ja fließend.




Dummerweise gab es bisher noch kein vernünftiges Plastikset in 1/72, das diese Epoche in diesem Sammlergebiet nach vorne treiben könnte. Es gibt zwar von Miniart Schweizer des 15. Jahrhunderts, die allerdings doch nicht vernünftig verwendet werden können, weil die Lanzen nicht ausmodelliert wurden. Ohne Verkaufszahlen zu haben, so denke ich, war das doch von vornherein der Tod für dieses Set. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Massen verkauft wurde.


In 28 mm haben ja die Perries ihre Reihe der Rosenkriege für diesen historischen Zeitraum aufgelegt, die sich ja auch entsprechend gut verkauft. Nicht nur, dass sie für historische Settings verwendet wird. Nein. Diese Figurenreihe ist ja auch die Basis der meisten Game of Thrones Wargaming Armeen.



Jetzt hat allerdings für den 1/72 Bereich eine Firma sich des Themas angenommen.
ENDLICH, möchte man fast sagen.
Ultima Ratio schimpft sie sich, na und die bringen doch tatsächlich Schweizer für das späte 15. Jahrhundert raus. Sie sollen dann, laut Verpackung, sogar explizit Kantonisten aus Bern bzw. Uri darstellen, wobei die Figuren natürlich auch generisch eingesetzt werden können.  Die Fahnenträger haben aber die Wappen der beiden Kantone fest eingraviert.



Hier einmal Bilder der Figuren von der PSR Seite.







Schaut man sich die Miniaturen genauer an, so kommen einem schon manche Posen ziemlich bekannt vor. Sie orientieren sich tatsächlich an Bildern dieser Zeit.

(Chronik Luzern. Im Bild erkennt man auch die Hornbläser, einer auch in dem "Kuhkostüm". Die Darstellung von Ultima Ratio mittels dieser Figur Hornbläser und Fahnenträger zu kombinieren, ist falsch. Fahnenträger waren in dieser Epoche immer gerüstet. Die Fahne war zu wichtig).

Interessant finde ich die eine Figur mit dem Fangeisen (zweite Figur erstes Bild). Die scheint mir gerade aus einem Funken Band entsprungen zu sein. Solche Fangeisen wurden genutzt, um einen Ritter am Hals einzuhaken und ihn vom Pferd zu ziehen. Brach er sich dabei nicht das Genick, was man hoffte, aber was wohl nicht immer zu verhindern war, hatte man einen Gefangenen, für den man wunderbar Lösegeld erpressen konnte.
Drei identische Figuren braucht man hier zwar nicht, aber dennoch finde ich es generell gut, dass die Figur vorkommt.
Die Hellebardiere in den Sets sind durchaus nutzbar, was ich von dem vorlaufenden Armbrustschützen jetzt nicht unbedingt sagen kann.
Der Schütze mit der Hakenbüchse macht hingegen einen guten Eindruck.
Diese Sets können dann jetzt schon mal den Plastikgrundstock für eine größere Truppe darstellen und wunderbar mit den Figuren von Frank Ziegler ergänzt bzw. aufgestockt werden.
Wer sich bisher scheute eine komplette Zinnarmee in 1/72 für diese Epoche aufzustellen, hat nun doch die Möglichkeit erst einmal mit Plastik einzusteigen, und kann dann diese Sets mit Einzelminiaturen aus Franks Serie pimpen.
Es ist definitiv so, dass die Miniaturen von Frank Zieger die EIGENTLICHE ULTIMA RATIO für diese Epoche darstellen.
Gar keine Frage.
Aber ... man kennt ja die Sammlerszene. Das „Billige“ wird da für einen Schub sorgen.
Nichtsdestotrotz wird vielleicht eine Regel aus der Biologie helfen:
Symbiose heisst das Zauberwort: Zusammenleben zweier Organismen zum gegenseitigen Nutzen. So hat man das mal im Biologieunterricht gelernt. Warum nicht auch hier?
Ich denke, dass sich beide Hersteller wunderbar ergänzen können, und ich hoffe, dass man dann in Zukunft ein paar Eidgenossen gegen Burgund ziehen sehen wird.
Ich selbst überlege dann jetzt auch schon mal, ob man da nicht eine kleine DBA Truppe aufstellen kann.
Als Gegner bieten sich da ja immer noch die Ritter aus der Zvezda Box Französische Ritter 15. Jahrhunderts an.

Deren Fußtruppen kann man ja auch mit Minis von Frank darstellen.
WIR können das, wenn auch Frank dann sicherlich anmerken würde, dass der ein oder andere Harnisch doch gar nicht in diese burgundische Truppe passt. Warum? Haben sie nicht aufmerksam gelesen?? Na, weil der Harnisch doch eindeutig savoyardisch ist. Savoyardisch, nicht burgundisch!!!!! Compris?
Frank; sei uns gnädig. Wir machen das für uns passend.
Ich hoffe, dass dieser kleine Bericht für Euch eine Anregung bringen konnte, sich erneut mit dem 1/72 Maßstab auseinanderzusetzen. Die Serie von Frank kombiniert mit den Neuerscheinungen von Ultima Ratio bieten tatsächlich auch Möglichkeiten für den Wargamingbereich, bekommt man doch so vergleichsweise kostengünstige Armeen aufgestellt, was einigen Wargamern sicherlich gefallen wird.
Hinzu kommt, dass nicht jedem aus dieser Szene diese Miniaturenreihen überhaupt bekannt sind.
Ich hoffe, dass mein Bericht die Miniaturen etwas bekannter macht, vor allem die Minis von Frank, denn die sind historisch schon sehr, sehr korrekt, und verdienen allein deshalb Beachtung.



Come on people, be honest. The classic 1/72 collector is stingy. He himself would call it price-conscious.
Not the specialists, we all know personally.
They, on the contrary, are willing to spend a lot of money and time on this hobby. The creation of unique dioramas is just possible, if one is willing to invest something. There are very few sponsors. Sadly, but true.
The 1/72 collectors, I’m talking about, are the plastic collectors. Fans of the Plasticsodierreview webpage.
Like myself.
In the good old times of the 80s 90s you get 50 figures for less than 10 DM. Something like that.
And so with such cheap prices one could always give new epochs and topics a chance. It was really a cheap hobby.
Some collectors were already ready to invest in special sets. Not least, the Duzi, the Duisburger tin figuress fair, was so successful in Germany, because various smaller hobby companies offered their supplements in tin, and you can cought so much nice stuff.
But most customers wanted new plastic sets. Not big armies in tin.
For this reason, neither of the special providers has become rich. Mass sales? Never.
The best thing that could happen to a retailer when flanking plastic sets appeared new on the market, which then aroused demand.
Just one example: The Revell set of the British Waterloo infantry had only one flag bearer.
In any case, one flag bearer was missing, because the British had two flags per battalion.
Who often loses one, has then still a .... ;-)))
Vive L'Empereur.
If you wanted to make two units from the contents of the package, there were three missing figures. Luckily, Jörg Schmäling already offered flagbeares in tin, and so you had the opportunity to complete the plastic sets.
This example shows how smaller hobby companies can complete the market if an existing plastic set has obvious gaps.
But. What if the tin series was first, but no plastic set was available?
I would like to give an example here, and I hope that the reversed effect will now occur for the figures I will show you.
Frank Ziegler, who is highly esteemed by me, has launched a wonderful series of late medieval, early renaissance miniatures on the market. These figures are perfect and well researched. Frank, a learned archaeologist  first deals with an epoch in detail, and than he modelled his figures.
I can still recall a lecture at a Symposion, where Frank was concerned with the late medieval armor.
After an hour or so I thought, please Frank, write a book. This is all too detailed for a simple lecture. This can not be understood by normal people.
In addition to some well-known specialists who, according to my opinion, work somewhere in museums that manage large collections of armor, Frank is probably one of the few -I do not want to say now the only one – who see a bunch of metal and than …?
He stroked his beard, opened his eyes and bounced.
"Yes; That is clearly savoyard ("Aha, I had also thought.", You think). You see, yes. ("Sure," you think) You can recognize this shallow grooves  ("The what?", You think), and the forging is exactly. Well and somewhere is also sure, ah, there it is, the stamp ("Which stamp?", You think). Look at it Koppi. "
So you have to imagine that.
Frank would definitely have been blacksmith in the Middle Ages and he would have forged an Excalibur sword because he'd discovered a very special allov.
Yes, I trust him. He has the Black Belt in armory. And not just there.
I was able to follow the development of the first series of figures live on the Symposion.
The series of figures marketed by Frank is now quite impressive. In addition to armed troops there are, of course, normal men at arms and bowmen. The entire potpourri of an army of the Late Middle Ages resp. early Renaissance.
Unfortunately, there was not yet a reasonable plastic set in 1/72, which could drive this epoch forward to the collector. The Miniart set of Swiss troops of the 15th century, was one of the flop sets in the hobby.
In 28 mm, the Perries have set up their War of the Roses series for that historical period, which also sells accordingly well. Not only is it used for historical settings. No. This series of figures is also the basis of most Game of Thrones wargaming armies.
Now, however, a company has adopted the theme for the 1/72 sector. FINALLY, you would almost say.
Ultima Ratio is the name of the company,  and they really bring out Swiss for the late 15th century. They are, according to the packaging, even explicitly represent cantonists from Berne and Uri, although the figures can of course also be used generically. The flags, however, have firmly engraved the arms of the two cantons.
Here is a picture of the characters from the PSR side.
If you look at the miniatures more precisely, some poses are quite familiar. They actually orient themselves on images of this time.
The one figure with the „catcher“ is very interesting. Such weapons were used to hook a knight at the neck and pull him off the horse. If he did not broke his neck, he was a prisoner, for whom one could extort wonderful ransom.
The halberdiers in the sets are quite usable, which I can not say of the advacing figure with the crossbow.
The shooter with the early rifle makes also a good impression.
These sets can now be the plastic base for a larger army and you can enlarge and supplement your force perfectly with the figures of Frank Ziegler.
Surely. Frank Zieglers miniatures ARE the better ULTIMA RATIO for the epoch. But I know many collectors, and I think they will give the cheaper opportunity a chance.
So let us hope in biology:
Symbiosis is the magic word: two organisms are living together for mutual benefit. That’s the lesson you have learned in biology. Why not here?
I think that both manufacturers can complement each other perfectly, and I hope that in the future one will see more Swiss armies on campaign against Burgundy.
I myself think about a small DBA troop.
As opponents of the swiss I will use the french knights from the Zvezda Box, and some men at arms of Frank‘s collection.
„Burgundian force. Why? The Harnisch is clearly savoyard. Savoyard, not Burgundy !!!!! Compris?“
Frank!!! Be mercifully. We are laymen, no specialists.
We can do that!!!
I hope that this little report could give you a suggestion to re-examine the 1/72 scale for that period. The series of Frank combined with the new releases of Ultima Ratio actually offer also possibilities for wargamers. Nice poses, and you get a comparatively inexpensive army, compared with 28 mm figures.
I hope that my report makes the miniatures more familiar, especially the Minis of Frank, because they are historically very, very correct, and deserve more attention.

Sonntag, 23. April 2017

Rüstkammer Dresden

Wenn der Besucher heutzutage den Riesensaal des Dresdner Residenzschlosses betritt, ist er förmlich schon Teil der Aura dieses ganz besonderen Schlosses. Der Faszination der überragend restaurierten Renaissanceperle Dresdens können sich, das will ich jetzt einfach mal behaupten, nur sehr wenige Menschen entziehen.


Meistens hat man an dieser Stelle schon die Führung durch das historische und moderne Grüne Gewölbe hinter sich gelassen. Man hat die restaurierten Räume, Treppenhäuser, Stuckdecken bewundern können, und ist jetzt dabei in eine ganz andere Welt einzutauchen.



In die Welt des Mittelalters. Das denkt jetzt der Laie, bei dem ersten Blick in diesen großen Raum. Reiter in Prunkrüstungen auf Pferden, überall Schwerter und Harnische, ein Glanz und ein Schimmer, der sich scheinbar in den Sonnenstrahlen noch vervielfältigt  und bricht.

Aber …
das hier ist nicht Mittelalter. Das hier ist bereits frühe Neuzeit, denn alle Harnische stammen frühestens aus dem späten 15. Jahrhundert, im Schwerpunkt aber aus den folgenden Jahrhunderten.
Die Dresdner Rüstkammer zeigt Waffen und Harnische aus Repräsentationsgründen. Das war der Ursprung der Sammlung. Heute handelt es sich natürlich um Kunstgegenstände.
Diese Gerätschaften sind somit keine Rüstungen mehr aus den mittelalterlichen Kriegen. Es sind Turnierrüstungen bzw. reine Repräsentationsgegenstände, die hier ihren ursprünglichen Zweck schon nicht mehr erfüllen mussten.
Aber gerade das macht die Sammlung dann aber auch so wertvoll. Es handelt sich um geniale handwerkliche Schöpfungen. Sie sind mit den damals neuesten Techniken gearbeitet worden. Feinster Stahl, Gold und Metalle wurden hier verwendet.
Die Produktionsfertigkeit hatte hier schon einen Höhepunkt erreicht, der in den Jahrhunderten davor gar nicht so möglich gewesen wäre.
Bereits bei den späten Rüstrungen des Spätmittelalters kamen Techniken zum Einsatz, die den Harnisch leichter machten, weil viel besser und feiner geschmiedet werden konnte. Die Rüstung wurde förmlich eine zweite Haut aus Stahl, und war nicht mehr der globige, schwere und unförmige Schutzpanzer.
Solche Rüstungen (um die 35 kg) entsprachen in ihrem Gewicht somit auch dem Standardgewicht, das ein moderner Soldat durch die Gegend schleppt.
Wichtig zu wissen, denn es wird immer noch die Geschichte vom unbeweglichen Ritter, der mittels eines Krans in seinen Sattel gehoben werde musste, kolportiert.
Bei diesen gezeigten Rüstungen war dies nicht mehr nötig, es sei denn der Träger war völlig unbeweglich, zu fett und/oder von der Gicht geplagt. Das war natürlich was anderes.
Ich werde jetzt nicht zu jeder gezeigten Rüstung, zu jedem Harnisch oder jeder Waffe etwas schreiben können. Dafür gibt es entsprechende Fachliteratur.
Einige Ausstellungsstücke werde ich kommentieren, bei anderen nur die Bilder sprechen lassen.
Ich denke allerdings, dass diese Bilder dann schon Anstoss für einen Besuch geben können.
Die erste Turniergruppe „Anzogenrennen“ ,  zeigt zwei Reiter mit Harnischen, an denen auf der linken Brustseite Tartschen (also kleine Schilde) fest angeschraubt waren. Daher rührt die Bezeichnung „anzogen“. Als Rennen bezeichnet man eine Turnierart, bei der der Gegner mit armdicken Lanzen vom Pferde gerannt (gestoßen) werden sollte.






Auf den Holztafeln über diesen beeindruckenden Langschwertern und Bidenhändern sind solche Rennen auch abgebildet.


Die nachfolgend im Bild gezeigten Harnische stammen aus dem Jahr 1612 und waren ein Weihnachtsgeschenk der Kurfürstin Magdalena Sybilla für Ihren Ehemann Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. Die äußere Form ist nahezu identisch. Nur der Ätzdekor ist unterschiedlich. Ein Harnisch ist vergoldet. Bei den Helmen handelt es sich um Mantelhelme, die auch als Savoyardenhelme bezeichnet werden.


Verschiedene Harnische und Waffen:

(Turnierharnisch Christian I. von Sachsen um 1580)


(Fechtdegen, Reiterschwert, Turnierschwert und Dusägge, 2. Hälfte 16. Jhd.)


(Teile eines Turnierharnisches des Kurfürsten August von Sachsen um 1570)


(Sogenannte sächsische Rennzeuge, 2. Hälfte 16. Jahrhundert)




Der nachfolgende Turnierharnisch mit Tartschenaufsatz wurde doch tatsächlich noch im Jahr 1719 bei einem Turnier auf dem Dresdner Altmarkt anlässlich der Hochzeit des Sohnes August des Starken getragen. Gefertigt wurde er in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Die im nachfolgenden Bild gezeigten Turnierschwerter stammten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Dieser Fußturnierharnisch des Kurfürsten Christian von Sachsen (Dresden um 1597) fällt natürlich auf: Er ist gebläut und mit Goldmalereien verziert.

Darstellung einer Reitertruppe im Turnier und weitere Harnische.



(Turnierharnisch mit Wechselstücken, Landshut um 1570)



Jeweils drei Kämpfer, die sich im Fußturnier gegenüberstehen, umgeben von weiteren Exponaten.



Auch Kinderharnische, angefertigt für die jungen Söhne des Herrscherhauses, sind Teil der Ausstellung.

Fußturnierharnische des Kurfürsten Christian I. von Sachsen, 1591


 Kürisssättel Ende 16. Jahrhundert.


Prunkharnisch des Herzogs Johann Wilhelm I. von Sachsen Weimar mit Wechselstücken, 1570



Die Pferderüstungen, die hier in Dresden mit entsprechenden Reitern dargestellt sind, sind allesamt äußerst prunkvoll und inspirieren einen Figurenmaler geradezu dazu, entsprechende Miniaturen zu bemalen.




Bei diesem Harnisch fällt vor allem der würfelartige Dekor auf.

Auf diesem Rossharnisch findet  sich das Motto des Kurfürsten wieder: FSV – Fide sed vide. Vertraue, aber achte darauf wem.

Dieser Harnisch, gefertigt 1563-65, war ursprünglich ein Prunkharnisch für Ross und Reiter, angefertigt für den schwedischen König Erik XIV. Dieser Harnisch wurde quasi bei der Auslieferung von Dänen erbeutet, und gelangte dann durch Kauf in den Besitz des sächsischen Kurfürsten.


Auch bei dem nachfolgenden Harnisch handelt es sich um ein weiteres Weihnachtsgeschenk, der bereits oben zitierten kurfürstlichen Gattin.


Dieser schwarz-goldene Dreiviertelharnisch war genau wie der oben gezeigte Pferdeharnisch in der Beute der Dänen im Jahr 1565.

Offensichtlich war es gelebter Brauch dem Mann zu Weihnachten eine Rüstung zu schenken. Finde ich persönlich nicht schlecht, und sollte ich vielleicht auch einmal bei mir zuhause einführen. Sturmhaube und Pistolen erhielt im Jahr 1589 Kurfürst Christian von seiner Gemahlin Sophie.


Weitere Schätze aus diesen Vitrinen.



Dieser Prunkharnisch mit Wechselbrust stammt aus französischer Fertigung (1588). Er war ein Geschenk aus Savoyen für den sächsischen Kurfürsten.

Nachfolgend jetzt Feldharnische des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Solche Harnische wurden dann im 30jährigen Krieg von den Kürassieren getragen.





Knabenharnische für die Söhne Christians I. von Sachsen (um 1590).

Prunkharnisch mit Rossstirn und Kürisssattel 1594-99 in Augsburg entstanden. Die figürlichen Darstellungen sind aus vergoldetem Kupfer auf den Harnisch aufgenietet.

Harnisch im Pisaner Stil um 1580

Rapiere, Dolche, Schützenhauben, Morion und Schilde, wie sie noch später von Rondartschieren genutzt wurden.






Hier ein Feldharnisch des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen. Dieser Kürass sollte quasi das „Leichenhemd“ des Kurfürsten sein. Nach seinem Tod sollte er als sogenannter „Freudenküriss“ beim Leichenzug verwendet werden. Er kam allerdings nicht zum Einsatz, weil der Kurfürst Dresden wegen einer ausgebrochenen Pestepedimie verlassen hatte und am 22.8.1680 in Freiberg verstarb.


Feldharnisch und Banddegen – Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen – aus der Zeit des 30jährigen Krieges.


Zum Abschluss noch ein Blick auf Schwerter und die beiden Lanzen.

Die Ausstellung wurde im Februar 2013 im Riesensaal eröffnet. Vorher war sie in der Sempergalerei des Zwingers untergebracht.
Alte Dresdenkenner, zu denen ich leider nicht gehöre, behaupten immer, dass früher viel, viel mehr ausgestellt worden wäre.
Diese Aussage kann ich nicht bestätigen, kann sie auch nicht verneinen. Tatsache ist, dass die ausgestellten Exponate nur rund 10% des Gesamtbestandes ausmachen.
Dies kann man kaum glauben, wenn man die wirklich beeindruckenden Harnische und Waffen sieht.
Egal wie. Der Besuch der Rüstkammer ist ein Muss, wenn man Dresden besucht. Die Ausstellungsstücke sind Unikate, höchstwertige Schmiedekunst und beeindruckend in ihrer Konzeption, aber auch im Arrangement hier im Museum.
Ich bin mir sicher, auch Sie, meine lieben Leser, werden beeindruckt sein.



When the visitor today enters the Giant Hall of Dresden castle (Riesensaal des Residenzschlosses), he will be part of the aura of this very special castle. The fascination of the outstandingly restored Renaissance pearl of Dresden will catch every visitor.
At the moment you are entering the Giant Hall, you will have passed the historical and modern green vault. You have admired  the restored rooms, staircases, stucco ceilings, and now you are in a completely different world.
In the world of the Middle Ages. That is what you think at first sight.
There are knights, swords, lances and harnesses, a splendor and a glimmer, which still seem to be multiplied and broken in the sun's rays.
But …
This is not the Middle Ages. This is already an early modern period, because all harnesses are from the late 15th century at the earliest, but mainly of the following centuries.
The Dresden Armory Chamber („Rüstkammer“) in history shows weapons and harnesses for reasons of representation. That was the origin of the collection.
Today these are, of course, objects of art.
The exponents are no armor from the medieval wars. They are tournament equipment or pure representations, which had had no longer to fulfill their original purpose.
But that makes the collection so valuable.  You see genius craft creations. Finest steel, gold and metals were used here.
Since the 15th century productivity had already reached a climax that would not have been possible in the centuries before.
Techniques were used which made the harness lighter. The forging process was optimized. The armor was formally a second skin of steel, and was no longer the globular, heavy and bulky protective armor.
Such armor (by the 35 kg) corresponded in their weight to the standard weight, which a modern soldier has to wear.
Important to know, because the story of the immovable knight, who had to be lifted into saddles by means of a crane, is still being portrayed. And that is not correct.
With the armor shown, this was no longer necessary, unless the wearer was completely motionless, too fat and / or plagued by the gout. Of course that was different.
I will not be able to explain every armor or weapon shown in the photos.
I will comment some of the exhibits.
I think, however, that these pictures can be an impetus for a visit.
The first tournament group shows two riders with full harnesses. A German Course (Rennen) is a type of tournament in which the opponent should be thrown (kicked) from the horse with arm-thick lances.
These German Courses are also depicted on the wooden boards above these impressive longswordsand bidenhanders.
The harnesses shown here are from the year 1612 and were a Christmas present of the electress Magdalena Sybilla for her husband Elector Johann Georg I of Saxony. The outer shape is almost identical. Only the etching decay is different. One harness is gilded. The helmets are shell helmets, which are also called Savoyarden helmets.
Different harnesses and weapons.
The following tournament harness was actually still in the year 1719 at a tournament on the Dresdner Altmarkt on the occasion of the wedding of the son August II. the Strong.  It was completed in the second half of the 16th century.
The swords shown in the following picture were from the middle of the 17th century.
This trefoil of the Elector Christian of Saxony (Dresden circa 1597) is, of course, remarkable: it is blued and decorated with gold paintings.
Another tournament group and other harnesses.
Three fighters, each standing in the foot tournament, surrounded by other exhibits.
Children's armour, made for the young sons of the ruling house, are also part of the exhibition.
The horse armour depicted here in Dresden with corresponding riders are all extremely sumptuous and inspire a figure painter to paint the corresponding miniatures.
At this harness, the cube-like decor is particularly noticeable.
On this horsearmour the motto of the Elector is shown: FSV - Fide sed vide. Trust, but pay attention to whom.
This harness, made in 1563-65, was originally an ornate for horse and rider, made for the Swedish king Erik XIV. This harness was captured by the Danes, and then acquired by the purchase of the Saxon Elector.
The next armour is another Christmas present of the Elector's wife already quoted above.
Obviously it was customary to give the husband a harness as a Christmas present. Really great, and I think, i have to talk to my wife. ;-))
This black-and-gold three-quarter-horseman armour was just like the other armour shown above captured by the Danes in 1565.
Helmet and pistols were given to Elector Christian in 1589 by his wife Sophie.
This pompous harnish with alternating breast comes from French manufacture (1588). It was a gift from Savoy for the Saxon Elector.
Subsequently, field harnishes of the late 16th and early 17th century. Such armour were then worn by the Cuirassiers during the Thirty Years War.
Armour for the sons of Christian I of Saxony (around 1590).
Pompous harness with „Rossstirn“ and „Kürisssattel“  (horse protection and saddle for cuirassiers) (1594-99) manufactured in Augsburg. The figurative representations are riveted on the armor of gilded copper.
Rapiers, daggers, helmets, Morion and shields, as they were later used by „Rondartschiers“ (Spanish bucklers).
Here is a field harness of Elector Johann Georg II of Saxony. It was manufactured as the "corpse-shirt" of the Elector. However, it was not used in the funeral procession because the Elector had left Dresden because of a plague and died in Freiberg on the 22.8.1680.
Armour and sword - Elector Johann Georg I of Saxony - from the time of the 30 years war.
Finally, take a look at the swords and the two lances.
The exhibition was opened in the „Riesensaal“  in February 2013. Previously, it was housed in the Dresden Zwinger's Semper gallery.
Old Dresden connoisseurs, to which I unfortunately do not belong, always claim that here much, much more had been exhibited.
This statement I can not confirm, it can not deny. The fact is that the exhibits shows only around 10% of the total stock.
This is hard to believe when you see the really impressive harnesses and weapons.
No matter how.
Visiting the „Rüstkammer“ (Dresden Armory Chamber) is a must, if you visit Dresden. The exhibits are unique, highly valuable forging art and impressive in their conception, but also in the arrangement here in the museum.
I am sure you, too, my dear readers, will be impressed